Donnerstag, 11. Oktober 2012

Erste Review: Black Mesa

Black Mesa: Half Life 1, powered by source engine
Es ist nicht alles wie früher, aber das ist ja nichts schlechtes!

Der schwarze Berg

"Black Mesa" ist die namensspendende, fiktive Forschungseinrichtung, in der Gordon Freeman als Protagonist von Half Life vor 14 Jahren das erste Mal um sein Leben kämpfte. Der Shooter "Half Life" wurde vom Publisher "Sierra" 1998 veröffentlich und verkaufte sich weltweit millionenfach. Das Spiel wurde 50 Mal zum Spiel des Jahres gekürt, der Metascore von 96 beweist, wie einheitlich das Spiel damals in den Himmel gelobt wurde.

Die Produktion von Valve überzeugte mit für damalige Verhältnisse ausgezeichneter Grafik und einer soliden Story, die einen glaubwürdigen Rahmen für die Handlung bereitstellte. Als erstes Spiel verwendete Half Life Skripte, um Ereignisse in Echtzeit darzustellen, statt wie damals üblich, das Spiel mit Videosequenzen zu unterbrechen. Last but not least wurden in Half Life beliebte Spielmechaniken kombiniert, in dem Shooter finden sich einige Jump'n'Run und Adventure Elemente in Form von Puzzles. Auch in den nun nicht erwähnten Bereichen wie Sound, Stabilität, Schwierigkeitskurve usw. gab es nichts zu bemängeln.

Ich könnte noch viel mehr über Half Life schreiben, aber wenn ihr mehr wissen wollt, werft einen Blick auf die Links am Ende der Review. In diesem Artikel möchte ich mich dem Produkt einer Gemeinschaft von 40 Freiwilligen widmen, welche es innerhalb von 8 Jahren geschafft haben, den Klassiker "Half Life" mit der Source Engine (von Valve entwickelte Engine, die bei Half Life 2 zum Einsatz kommt) neu und überarbeitet aus dem Boden zu stampfen.

Laut der Entwickler wurde alles von Grund auf neu produziert, keine Maps oder Modelle einfach aus dem Vorgänger portiert. Ziel war es, Story und Gameplay dem Original entsprechend auf der neuen Engine wieder aufleben zu lassen, aber "nervige" oder "keinen Sinn ergebende" Abschnitte des Spiels zu kürzen oder modifizieren. Die Xen Levels (Abschnitte des Spiels, die in einer Grenzwelt zwischen mehreren Dimensionen stattfinden) haben es überhaupt nicht in das Remake geschafft, sollen aber bei einem Update nachgereicht werden.

Auch sollte das volle Potential der Source Engine ausgeschöpft werden, so spielt z.B. Physik eine größere Rolle oder bestimmte Areale werden noch größer und imposanter dargestellt.

Soviel zum Hintergrund, wer mehr wissen möchte, wird weiter unten mit Links versorgt.


Review des Spiels

 

Es geht los!

Ist Black Mesa nun Half Life geworden, oder was anderes?

Black Mesa ist tatsächlich, ganz im Sinne der Entwickler, Half Life mit überarbeiteter Hardware.
Die Überzeugung davon ist in mir langsam hochgekommen, als ich am Anfang des Spiels mit der gewohnten Zugfahrt durch den Forschungskomplex begrüßt wurde. Sie ist gewachsen, als mir Kommentare sowohl des Security- als auch des wissenschaftlichen Personals bekannt vorkamen, und als vor meinen Augen dieser riesen... Apparat effektreich auseinander fiel und das Chaos ausbrach.

Wasn't me

Aber der solideste Beweis ist wohl, dass ich beim Spielen über weite Strecken vergessen habe, dass es sich um ein Remake handelt.

Gordon Freeman steuert sich wie damals. Black Mesa ist ein oldschool Shooter, wo strafen (also links-rechts bewegen, mit Fokus ständig auf dem Gegner), schnelle Reaktion und Nachladen im richtigen Moment das Um und Auf sind. Kleine Details, wie beispielsweise ein fixiertes Fadenkreuz, das beim Feuern der Waffen nicht auf und ab springt, um Rückstoß zu simulieren, versetzen einen zusätzlich in die Vergangenheit.
Im Gegensatz zu modernen Shootern gibt es keine Deckung, aus der man gemütlich hervorballern kann, wenn die Gegner gerade ihr Magazin ins Nirvana entleert haben. In Black Mesa wird man von sehr schnell reagierenden Gegnern bearbeitet, oft bevor man reagieren kann und muss das Duell mittels einer guten Trefferquote rechtzeitig beenden, damit man sich mit den balanziert verteilten, meist versteckten oder hinter feindlichen Linien befindlichen goodies wieder aufpäppeln kann.

Auch außerhalb von Kämpfen muss man sich den Fortschritt nach heutigen Standards manchmal recht hart verdienen. Ohne Questmarker, Tagebuch, PDA oder sonstige Routenführer müssen (Liste mehr als unvollständig) Geräte aktiviert, Tanks gefüllt und tödliche Hindernisse, wie tiefe Abgründe, radioaktiv verseuchte Gegenden oder unter Strom stehende Gewässer überwunden werden, um unseren Physiker Schritt für Schritt Richtung eines immer ferner scheinenden Ziels zu steuern:  ...  also entweder wisst ihr es schon, oder solltet es selber rausfinden... *zwinker*


Es ist nicht alles wie früher

Aber das ist ja nichts schlechtes! Das Team hat wie versprochen nicht an der Story und am Gameplay herumgewerkelt. An anderen Stellen wurde jedoch die Feile angelegt, um aus dem Klassiker eine rundere Erfahrung zu machen. Und die kann sich sehen lassen.


Manchmal ist zurücklehnen und abwarten angesagt

Physik und Grafik

Die auffälligsten Neuerungen sind bei Grafik und Physik zu verzeichnen. Die Grafik von Half Life war damals vielleicht top, aber das ist schon stolze 14 Jahre her. Physik wurde zwar durch Puzzles vorgetäuscht, jedoch konnte man außerhalb von gescripteten Ereignissen nicht mit Objekten interagieren.

Dank der Source engine sacken Gegner nach dem tödlichen Schuss (oder noch schlimmer, der finalen Behandlung mit dem Brecheisen) realistisch zu Boden und Objekte lassen sich aufheben und verschieben. Einige Puzzles wurden sogar abgeändert, sodass sie mit physikalischem Verständnis gelöst werden müssen. Beispielsweise sollen an einer Stelle luftgefüllte Plastik Kanister unter einer Rampe angesammelt werden, um diese als Brücke über den Wasserspiegel zu erheben und weiterzukommen. Andernorts wird manuelles Nachladen eines Geschützes benötigt, um einen Panzer aus dem Weg zu räumen (eigentlich unverdient, nachdem er uns den Ausgang freundlicherweise freigeräumt hat)

Abgerundet wird das alles durch ein neues, grafisches Gewand. Klar, auch die Grafik der Source engine ist heute nicht mehr zeitgemäß. Solang man jedoch nicht nach Tiefenunschärfe, ultrascharfen Texturen oder Umgebungsverdeckung Ausschau hält, wird man kaum mit dem optischen Auftreten von Black Mesa unzufrieden sein. Nicht nur wurde Half Life grafisch an das Niveau von Half Life 2 angehoben, zusätzlich lassen manche Abschnitte der Spielwelt die Source engine strahlen, dabei spreche ich besonders von den Außenlevels und von einschüchternden, großen Strukturen im Untergrund.


Seht ihr was ich meine?

Gibts was zu meckern?

Eigentlich nein. Wirklich nicht. Es gibt sehr wenige Kanten die mir aufgefallen sind, und würde ich diese Review nicht schreiben, wären sie meiner Meinung nach nicht der Rede wert.
Trotzdem: die Leitern sind noch immer umständlich zu bedienen und werden jeden Spieler das ein oder andere Mal um Freemans Leben und Gedult bringen. Oft möchte man von der Leiter auf die Zielplatform abspringen, und es geht nicht. Man steht dann irgendwie in der Luft und kann weder nach links, rechts, oder nach vorne. Der Ausweg ist nach hinten, und dann kommt man oft nicht schnell genug wieder nach vorne um die Leiter zu aktivieren und stürzt. Meh. Leitern waren schon immer meine persönliche Achillesferse des gesamten Franchise.

Zusätzlich empfinde ich die neu hinzugefügten Gore Effekte auf Waffen und Händen des Spielercharakters als nicht besonders gut gelungen und mehr störend als immersiv. Das ist aber Geschmacksache.
Abgesehen von den hier erwähnten Punkten und ein, zwei minimalen Grafik Glitches, die bei bestimmten Perspektiven auftreten, ist mir nichts Negatives aufgefallen.


Wer sollte Black Mesa spielen?

Black Mesa wäre für viele von euch interessant. Das Spiel ist gratis erhältlich, mittlerweile werden weder Steam, noch ein Spiel mit Source engine benötigt.

Für alle unter euch, die Half Life bereits kennen und es mal wieder durchspielen wollen, sollte jetzt der perfekte Zeitpunkt gekommen sein. Ihr könnt das Original gratis und mit (fast) zeitgemäßer Technik noch ein Mal erleben. Jenen, die Half Life 2 kennen, kann ich nur empfehlen, Black Mesa zu spielen und zu erfahren, wie der Mythos Gordon Freeman begonnen hat.

Und wer mit dem Franchise überhaupt nichts am Hut hat, aber Shootern nicht abgeneigt ist, erhält hier ebenfalls eine klare hol's-dir-gratis Empfehlung.


So hübsch, dass man drin übernachten möchte


Schlussworte

Ich möchte allen danken, die meine Review gelesen haben, ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und Lust, dem Spiel eine Chance zu geben. Über positives oder negatives Feedback, Review Vorschläge und Interesse an meinen kommenden Reviews würde ich mich sehr freuen! Sagt Bescheid wenn ihr mehr wollt, dann bekommt ihr auch mehr.


Nützliche Links

Hier gehts zur Homepage von Black Mesa, wo ihr alles darüber erfahren und das Spiel über Mirrors oder Torrent runterladen könnt:
http://release.blackmesasource.com/

Auf Wikipedia finden Interessierte mehr zum Klassiker, der Shooter vor 14 Jahren neu definierte...
http://de.wikipedia.org/wiki/Half_Life
... sowie Infos zur Source Engine, auf der Black Mesa läuft:
http://de.wikipedia.org/wiki/Source_Engine






Kommentare:

  1. Ganz toll fand ich ja, dass das Spielfeeling an entscheidenden Punkten dennoch verändert wurde: Beim Hin- und Her-Strafen schwenkt die Kamera leicht, einzelne (nervtötende) Abschnitte wurden verändert und das Gegner- und Itemplacement wurde aufgebohrt.

    Richtig beeindruckend war für mich sowieso der Detailgrad, der hinter der Arbeit steht: Weite, ausufernde Areale weisen viele Details auf, die Labor-abschnitte zu Anfang sind weiträumiger, es gibt mehr NPCs (und diese haben auch mal mehr zu sagen als "Grüß dich Gordon. Bereit, uns alle ins Verderben zu stürzen? Ich mag Rote Beete")

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    1. Ja, die Spielerfahrung war auffällig weniger nervig. Ich kanns nicht an vielen Beispielen festmachen (wie z.B. keine Headcrabs in Kisten, oder der Artilleriebeschuss an der Oberfläche blieb an der entsprechenden Stelle aus), aber im Gesamtergebnis merkt man schon, wie viel flüssiger und weniger frustrierend die Erfahrung insgesamt war im Vergleich zum Vorgänger, ohne dabei an Herausforderung zu verlieren.

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